Kunstwelt


Der Käfig

Die klassische Ausbildung ist ein prächtiger Käfig. Man lernt Präzision, Tiefe, Zuhören. Man begegnet Prokofjew, Beethoven, den großen Architekturen des Klangs.

Aber der Käfig bleibt ein Käfig.

Improvisation beginnt dort, wo die Partitur endet. Es ist ein Akt sanften Ungehorsams — nicht gegen die Musik, sondern gegen die Gewohnheit. Gegen kulturelle und akademische Konditionierung, die erlernten Weisen, über Klang nachzudenken.


Verbindung

Das Schlüsselwort ist Verbindung.

Sich mit dem Film verbinden, um sich mit dem Publikum zu verbinden. Sich mit dem Augenblick verbinden, um dem zu entfliehen, was man bereits weiß. Der Prozess besteht aus drei Gesten:

Sich setzen. Vergessen. Sich öffnen.

Wenn Subjektivität erstarrt, wird sie zum Gefängnis. Improvisation ist das Gegenteil: eine Subjektivität in Bewegung, porös, aufmerksam.


Jenseits der Noten

Das Klavier ist nicht nur ein Instrument für Noten. Es ist eine Klangquelle.

Erweiterte Techniken — auf den Saiten spielen, das Klavier präparieren, Resonanzen, Perkussionen, Obertöne erkunden — antworten auf eine Dringlichkeit: über den konventionellen Gebrauch des Instruments hinauszugehen.

Die Einflüsse reichen von Prokofjew bis zu John Cages philosophischem Universum. Kein Stil, sondern eine Öffnung.


Keine feste Identität

Deborah Silberer hat keine feste musikalische Identität. Und genau das ist die Identität.

Weder ganz klassisch, noch ganz experimentell. Weder Begleiterin noch Solistin im üblichen Sinne. Irgendwo zwischen Kino, Theater, Kammermusik und Geräusch.

Ein Werk, das Etiketten ablehnt — nicht als Pose, sondern aus Notwendigkeit.

Was mich interessiert, ist nicht das, was ich spielen kann. Es ist das, was ich noch nicht weiß.